1867 Gründung
In diesem Jahr kaufen die USA Alaska von Rußland für 7,2 Millionen Dollar. Werner von Siemens entdeckt das dynamoelektrische Prinzip, das als Beginn der Elektrotechnik gewertet wird. Johann Strauß (Sohn) komponiert seinen Walzer "An der schönen blauen Donau", und in Italien wird Arturo Toscanini geboren. Der Norweger Ibsen schreibt das Schauspiel "Peer Gynt", Karl Marx "Das Kapital", und Reclam beginnt seine Universitätsbibliothek mit Goethes "Faust I".
Die Hansestadt Hamburg hat um diese Zeit etwa 300.000 Einwohner. Sie ist gerade dem Norddeutschen Bund beigetreten, in dem sich 22 Staaten nördlich des Mains zusammengeschlossen haben und dessen erster Kanzler Bismarck ist. Der Krieg zwischen Dänemark und Preußen ist mit dem Anschluß Schleswig-Holsteins an Preußen beendet worden. Auch für Hamburg zeichnet sich eine Annäherung an Preußen ab.
Noch hat Hamburg seine eigene Währung, die Hamburgische Mark Banco. Es bleibt zunächst für den Norddeutschen Bund Zollausland. Die Umstellung von der Segel- auf die Dampfschiffahrt ist im vollen Gange, und Hamburg plant und baut neue, größere Hafenanlagen, da durch den Bund freierer Zugang zu einem großen Hinterland entsteht.
Auf Ersuchen des "Ehrbaren Rates" (Senat) wählte 1517 die Versammlung des "gemenen Koopman" einen Vorstand, um die Interessen der Kaufmannschaft gegenüber der Stadt zu vertreten. Dieser Vorstand schuf 1556 die Hamburger Börse. Im Januar 1665 ging aus ihm die "Commerzdeputation" hervor, die im Jahre 1867 ihren heutigen Namen "Handelskammer" erhält. Aus dme "gemenen Koopman" wurde die "Versammlung einens Ehrenbaren Kaufmann zu Hamburg", die bis zu Jahre 1933 die Mitglieder der Handelskammer wählt.
Seit 1866 fahren in Hamburg die ersten Pferdebahnen.
Christian Friedrich Schneider gründet in Hamburg eine Textilagentur. Er vertritt die Interessen der Firma "Manufactur Koechlin, Baumgarten& Cie AG", in Lörrach/ Baden (KBC). Geplant ist, die dort erzeugten Druckstoffe in das nördliche Ausland zu verkaufen. Die neue Firma erfährt in den folgenden Jahren offenbar unberührt von den politischen Unruhen und dem Krieg mit Frankreich einen stetigen Aufschwung.
Friedrich Schneider
1867 - 1903
1867 - 1903
1892 25 Jahre
1871 ist das Deutsche Reich gegründet worden. Hamburg bleibt allerdings mit Rücksicht auf seinen Hafen bis 1881 Zollausland. Der Anschluß wird erst 1888 mit der Eröffnunf des Freihafens vollzogen. Große Werften entstehen.
Bismarcks Kolonialpolitik schafft neue Impulse für den Handel.
Seit 1890 weht die deutsche Flagge auf Helgoland, das gegen Sansibar eingetauscht worden ist. Die Elbmündung - und damit die Zufahrt zum Hamburger Hafen - ist nun erstmals ganz in deutscher Hand. 1877 fährt die erste Dampfbahn, 1880 entstehen Fernsprechnetze, seit 1888 brennt elektrisches Licht in der Stadt.
1890 findet die erste Maifeier in Hamburg statt, deren Folgen Aussperrungen und die Gründung von Arbeitgeberverbänden sind.
Friedrich Schneider ist weiterhin alleiniger Inhaber seiner Firma. Er unterhält ein Büro am Alten Wall. Die engen Verbindungen zu K.B.C. bestehen nach wie vor. Es werden jedoch auch andere Unternehmen vertreten.
Das Jubiläumsjahr steht im Schatten einer großen Choleraepidemie in Hamburg - der letzten in Deutschland - ,die viele Opfer fordert.
1917 50 Jahre
Bis zum Jahr 1914 erlebt das Deutsche Reich eine Blütezeit. Die Verbindungen zu den Kolonien werden immer enger, was auch die Handelsschiffahrt entscheidend voranbringt.
1912 tritt die Reichsversicherungsanstalt in Kraft, die die Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung für Arbeitnehmer zusammenfaßt.
Hamburg wächst weiter. 1913 leben hier etwa 1 Millionen Menschen. Seit 1894 fährt eine elektrische Straßenbahn, seit 1911 gibt es den Flughafen. 1912 wird die Untergrundbahn in Betrieb genommen und der "alte" Elbtunnel eröffnet. Der Hafen ist damit erstmals ohne Schiff zu erreichen. Hamburg hazt 1912 den drittgrößten Hafen nach New York und London.
Fried. Schneider ist vom Alten Wall zum Neuen Wall umgezogen. Friedrich Schneider ist 1909 verstorben. Schon 1896 hat er seinen Schwiegersohn G.H. Christern zum Mitinhaber gemacht und ihm 1903 die Alleininhaberschaft überlassen. Mit mehreren Angestellten werden gute Geschäftsverbindungen zum In- und Ausland unterhalten. Nach wie vor werden Druckstoffe von K.B.C. verkauft. Auch zur westfälischen Baumwollindustrie bestehen gute Kontakte. Das Sortiment wird verbreitert, und es zeigt sich, daß dies in wirtschaftlich schwerern Zeiten für die Existenz der Firma ausschlaggebend ist. Krieg und Nachkriegszeit geben hierfür einen ersten Beweis. Nachdem 1913 noch mehrere Angestellte mit einem Jahreseinkommen zwischen 1.200.- und 2.700.- Reichsmark tätig waren, enden die Gehaltsabrechnungen 1914 mit der Eintragung:
"Am 31.Juli 1914 mit dem Mobilmachungstag ausgetreten."
Georges H. Christern
1903 - 1922
1903 - 1922
Mit dem ersten Weltkrieg bricht alles Erreichte zusammen. Handelsniederlassungen werden geschlossen, die Handelsschiffahrt weitgehend eingestellt.
Im Jubliäumsjahr 1917 erklären die USA Deutschland den Krieg. In Rußland wird das Zarentum durch die Oktoberrevolution gestürzt. Ein Umbruch beginnt sich abzuzeichnen.
In Deutschland herrscht nach dem berüchtigten Steckrübenwinter Hungersnot.
1942 75 Jahre
1919 besiegelt der Versailler Vertrag für Hamburg alle Enteignungen und den Zusammenbruch des Handels. Aber schon beginnen neue Aktivitäten in der Stadt. Das Weltwirtschaftsrchiv und die Universität werden gegründet. Eine neue Handelsflotte entsteht. 1922 wird der Überseeclub zur Pflege weltweiter Verbindungen gegründet. Die Inflation bringt im Wiederaufbau einen ersten Rückschlag. 1923 ist der Umrechnungskurs für 1 Dollar 4,2 Billionen Reichsmark. Durch die Einführung der Rentenmark ergibt sich eine Stabilisierung.
1929 bringt die Weltwirschaftskrise einen erneuten Rückschlag. Ihre Folgen lasten schwer auf dem Deutschen Reich und Hamburg. Für einen großen Teil der neuen Handelsflotte entsteht ein "Schiffsfriedhot", da nur wenig Fracht befördert wird. Das Reich registriert 6 Millionen Arbeitslose. 1933 beginnt einen langsame Erholung. 1937 werden durch das "Groß-Hamburg-Gesetz" die Städte Altona, Harburg-Wilhelmsburg, und Wandsbek eingemeindet. Hamburg hat um diese Zeit etwa 1,7 Millionen Einwohner. Wenige Monate vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges feiert Hamburgs Hafen 1939 sein 750jähriges Bestehen.
Nachdem G.H. Christern die Firma 1918 wieder aufgebaut hat, ist er 1922 durch Tod als Inhaber ausgeschieden. Friedrich Russ übernimmt nun die Leitung und ist zunächst Teilhaber zusammen mit seinem Freund Wilhelm Friedrich und Frau Christern. Friedrich tritt schon 1923 wieder aus der Firma aus, um sich ganz seinem eigenen Geschäft in Leipzig zu widmen. Frau Christern bleibt bis zu ihrem Tod 1934 Mitinhaberin. Der Wechsel erfolgt mitten in der Inflation. Die Außenstände werden in der Bilanz vom 31.12.1923 mit 3.503.800.000.000.000,- oder 3.503,8 Billionen Mark angegeben. In der Eröffnungsbilanz vom 1.1.1924 bleiben davon 3.503,80 Rentenmark.
Im Inventar von 1923 befinden sich z.B. folgende Eintragungen:
1 Wanduhr M 10.000.000,-
1 Schreibmaschine M 260.000.000,-
2 Musterschränke M 900.000.000,-
Die Wanduhr und die Schränke werden noch heute genutzt.
1 Schreibmaschine M 260.000.000,-
2 Musterschränke M 900.000.000,-
Die Wanduhr und die Schränke werden noch heute genutzt.
Friedrich Russ
1922 - 1962
1922 - 1962
Die Geschäftsräume der Firma liegen zu dieser Zeit am Alsterdamm (heute Ballindamm) und werden 1927 in die Esplanade 6 verlegt. Neben dem Groß- und Einzelhandel gewinnt die Konfektion als Abnehmer an Bedeutung. Ab 1927 übernimmt Fried. Schneider im norddeutschen Raum den Inlandsverkauf für K.B.C. Am 16.11.1931 wird die Vertretung der Firma C.A. Delius & Söhne, Bielefeld in Norddeutschland für die "ausgesprochenen Schneiderartikel-Grossisten sowie Herrenkonfektions-Geschäfte" (Industrie) übernommen. Der Sektor Zutaten für die Bekleidungsindustrie, Futterstoffe, Einlagenstoffe, und Nähgarne nimmt neben dem der Oberstoffe einen immer breiteren Raum ein. In diese Zeit fällt auch die Einrichtung eines Auslieferungslagers. Ab 1933 bringen die Schwierigkeiten staatlich gelenkter Wirtschaft Beschränkungen und veränderte Aufgaben. Der 2. Weltkrieg läßt alles Erreichte wieder zerrinnen. Auch das 75jährige Jubiläum fällt in schwere Kriegszeiten. Zur Veranschaulichung der Situation in Hamburg hier der Auszug einen Briefes von Friedrich Russ an Herrn Direktor Steinert von K.B.C vom 13.8.1942:
"Die Engländer, die uns ja schon oft unsere Nachtruhe geraubt haben, hausten bei ihren letzten Angriffen auf Hamburg, wie wohl auch in anderen Städten, recht schlimm. In der Innenstadt, Jungfernstief, Neuer Wall usw. sieht es teilweise traurig aus. Der Alsterpavillion ist ein Schutthaufen, gegenüber das große rote Eckhaus ist ausgebrannt (Hamburger Hof), ebenso das Warenhaus von Tietz (Alsterhaus). Am schlimmsten aber sieht es in den Vororten aus, wo ganze Straßen niedergelegt worden sind und auch viele Menschen getötet wurden. 320 Tote sind zu beklagen außer vielen Verletzten. Das Leben in der Großstadt und die sonstigen Sorgen lassen einen nur zu leicht über die traurigen Ereignisse hinweggehen, wenn man nicht gerade persönlich betroffen ist. In mein Kontorhaus in der Esplanade sind allerdings auch 13 Brandbomen in einer Nacht gefallen, aber es waren soche leichten Kalibers, die von der ständigen Schutzwache im Hause sofort gelöscht werden konnten."
1967 100 Jahre
In den Jahren 1943 bis 1945 haben viele Luftangriffe in Hamburg ungeheure Zerstörung angerichtet. 50% der Wohnungen, 80% der Hafenanlagen und 40% der Industrie sind zerstrört, die Handelsflotte wiederum verloren. Die Einwohnerzahl sinkt auf 800.000. Am 3.Mai 1945 wird die Stadt von britischen Truppen besetzt. Mit viel Fleiß beginnt ein neuer Aufbau. Druch die Einteilung in Besatzungszonen und die Teilung Deutschlands verliert Hamburg den größten Teil des wirtschaftlich bedeutenden Hinterlandes. Um einen Ausgleich zu schaffen, bemüht man sich um die Ansiedlung neuer Industrien.
1962 überschwemmt eine schwere Strumflut große Teile des Hamburger Hafens und die niedriggelegenden Marschlande. Die flut fordert viele Opfer, zeigt aber auch die große Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander in der Not. Hamburg beginnt mit dem Bau sehr umfangreicher Sicherungen. Die Hafenanlagen und Verkehrswege werden den modernsten Anforderungen angepaßt. 1966 verzeichnet der Hamburger Hafen einen Rekordumschlag von 37,6 Mill.t an Seegütern.
Für Fried. Schneider beginnt 1945 ein völlig neuer Aufbau. Das Wirtschaftsgebiet des Deutschen Reichs ist durch Zonengrenzen zerschnitten. Alte Verbindungen werden auf beschwerlichen Reisen, u.a. auf offenen Kohlewagen der Eisenbahn, wieder aufgenommen. Das Bürohaus in der Esplanade wird Standort der Militärregierung, so daß alle Aktivitäten von der Wohnung in Hamburg Klein-Flottbek ausgehen. 1948 tritt Fritz-Joachim Russ als Teilhaber in der Firma ein. Es beginnt ein steter Wiederaufbau. 1952 wird Thomas Falckenthal als weiterer Teilhaber aufgenommen.
| Fritz -Joachim Russ 1948 - 1982 |
Thomas Falckenthal 1952 - 1990 |
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Die beiden Sparten Oberstoffe und Konfektionszutaten entwickeln sich gleichermaßen. Auch die Verbindung zu den hamburger Exporteuren werden erneuert, die durch ihre wiedereröffneten Vertretungen in Übersee gut verkaufen. Der Anteil an der Bekleidungsindustrie wächst zunächst stark, da viele Flüchtlinge aus dem Osten hier neue Firmen aufbauen. Mit den Jahren erfolgt jedoch eine stetige Auslese, denn in dem sich ständig verändernden Markt müssen manche neuen und auch altbekannte Firman schließen.
1958 erfolgt der Umzug in die Gertigstraße. Hier stehen ebenerdig 180 qm große Büro- und Lagerräume zur Verfügung.
1962 stirbt Friedrich Russ. Fritz-Joachim Russ und Thomas Falckenthal führen die Firma weiter und können sie zu Beginn des Jahres 1967 nochmals ausbauen. Die Firma Amann & Söhne überträgt Fried. Schneider ihre Vertretung für Hamburg und Schleswig-Holstein. Das Lager muß deshalb erheblich vergrößert werden, so daß zusätzliche Räume in der 2.Etage bezogen werden. Nach wie vor gehört K.B.C zu den wichtigsten Vertretungen von Fried. Schneider. Die Firma hat wieder mehrere Angestellte und einen großen Kundenstamm sowohl in der Industrie als auch im Handel.
1992 125 Jahre
Die politische und wirschaftlichen Verhältnisse haben sich in den zurückliegenden 25 Jahren wiederum grundlegend verändert.
Wilfried Russ
seit 1990
seit 1990
Im Bundesgebiet sind 1974 über 250.000 Wohnungen unbewohnt, so daß in Hamburg sogar über einen Abriß leerer Wohnungen nachgedacht wird.
Die "Ölkrise" löst große wirtschaftliche Probleme aus. Es kommt zu Fahrverboten für PKW. Durch die steigenden Energiekosten entsteht ein Preisanstieg, der nach Streiks zu Teuerungszuschlägen bei den Löhnen führt.
In Deutschland gibt es erstmals nach dem Krieg wieder viele Arbeitslose. Neue Begriffe wie "Negativwachstum" werden geprägt.
In Hamburg wird 1974 die 520m lange Köhlbrandbrücke dem Verkehr übergeben. Sie ist für die Anbindung des Hafens sehr wichtig. 1975 folgt nach 6jähriger Bauzeit der neue Autobahntunnel, der schon einige Jahre später durch den immer weiter wachsenden Nord-Süd Verkehr die Grenzen seiner Kapazität erreicht.
Die Entspannungspolitik und die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung haben eine Öffnung des Osten gebracht.
Die DDR löst sich auf. Das Bundesgebiet wird um 5 Bundesländer größer. Die UdSSR bricht auseinander. Die baltischen Länder werden wieder unabhängige Staaten, so daß die historisch gewachsenen Beziehungen, die schon aus der Hansezeit stammen, erneuert können. Die Bedeutung Hamburgs als Handelsplatz steigt durch das jetzt viel größere Hinterland. Hamburg wird ein "Tor zum Osten". viele Firmen drängen in die Stadt. Ab 1989 beginnt daher für Hamburg ein kräftiger wirtschaftlicher Aufschwung.
Bekleidung wird in den zurückliegenden 25Jahren in immer größeren Mengen angeboten. Es wird zunehmend versucht, durch Preisvorteile besser zu verkaufen. Dies drück die Herstellkosten, die aber bei gleichzeitig stark anstiegenden Inlandslöhnen kaum zu reduzieren sind. Der Weg zur Produktion in "Billiglohnländern" ist damit vorgezeichnet. In den ersten Jahren betrifft dies nur "Standartware", da die Transporte zu lange dauern. Aber auch hier ergeben sich zunehmend schnellere Möglichkeiten, so daß die vorteile der eigenen modisch schnell zu verändernden Produktion weniger zählen. Hinzu kommen neue Produktionsstandorte in dne direkten östlichen Nachbarländern, die früher wegen der politischen Grenzen nicht zur Verfügung standen. Viele Firmen müssen im Laufe dieses Wandels schließen.
In den siebzigern und achtziger Jahren entwickeln sich in Hamburg bedeutenden Handelsfirmen, die eigene Kollektionen schaffen und im Ausland produzieren lassen. Auch einige in der Mode weltweit bedeutende Unternehmen entstehen.
Nach der kaufmännischen Ausbildung und Volontärzeiten in den vertetenen Unternehmen wird Wilfried Russ 1973 bei Fried. Schneider eingestellt.
Zum Jahresbeginn 1975 erfolgt wieder ein Umzug in neue 360qm große Räume in der Hufnerstraße in Hamburg Barmbek. Fried. Schneider erhält die Funktion eines Regionallagers für die Firma Amann & Söhne und beliefert so auch die Kundnen der Vertretung in Bremen. Zum Jahresende wird nach 108-jähriger Tätigkeit die Verbindung zu K.B.C in freundschaftlichem Einvernehmen aufgegeben, da im angestammten Gebiet kaum noch Kunden vorhanden sind. Fried. Schneider verliert in diesem Jahr einige seiner bisher wichtigsten Abnehmer.
Durch zusätzliche Vertretungen und größere Reisegebiete sollen neue Kunden gewonnen werden. 1978 wird die Vertretung der Firma Amann & Söhne auf den Bezirk Lüneburg ausgeweitet. Der Bezirk Bremen folgt im Jahre 1981.
In Zusammenarbeit mit der Firma Ehlers & Wall -einer Meterwarengroßhandlung- wird die Idee einer Büro- und Lagergemeinschaft geboren, um die laufenden Kosten zu senken. Diese Gemeinschaft wird 1979 zusammen mit der Firma Wohlenberg & Co. aufgebaut, nachdem in der Hufnerstraße zusätzliche Räume angemietet werden können. Da bei der von Frau Wohlenberg 1964 gegründeten Großhandlung für Theaterstoffe ein Nachfolger fehlt, ergibt sich sehr schnell eine engere Zusammenarbeit mit Fried. Schneider.
1982 scheidet Fritz Joachim Russ aus dem aktiven Dienst aus. Er bleibt als Kommanditist mit der Firma verbunden. Thomas Falckenthal führt die Geschäfte weiter. Wilfried Russ wird Teilhaber bei Wohlenberg & Co. Die Verbindungen zu Fried. Schneider wird dadurch noch enger.
Es folgt eine kurze Zeit der Ruhe, die aber durch den Verkauf und Auszug von Hans Ehlers & Wall aus der Gemeinschaft zuende geht. Thomas Falckenthal und Wilfried Russ gründen 1985 die Firma "Wilfried Russ oHG", die alle für Fried. Schneider und Wohlenberg & Co. notwendigen Anschaffungen machen soll.
Schnellere Versandmöglichkeiten machen eine Lagerhaltung vielfach überflüssig. Die Firma Amann & Söhne plant die Auflösung ihres Lager bei Fried. Schneider. Dies bringt eine erhebliche Veränderung im täglichen Kontakt zu den Kunden. Gemeinsam wird ein neues Konzept entwickelt. Zur Jahresmitte 1986 wird das Lager aufgelöst und eine direkte Verbindung über das Datex-p Netz nach Bönnigheim geschaltet. Die bei Fried. Schneider eingehenden Aufträge werden auf diese Weise per Datenübertragung nach Bönnigheim gegeben. Die Vertretung bleibt so Ansprechpartner für die Kunden im täglichen Geschäftsablauf.
Thomas Falckenthal scheidet 1990 nach schwerer Krankheit durch Tod aus dem Unternehmen aus. Die geplante Übernahme durch Wilfried Russ muß daher vorzeitig durchgeführt werden. Die Jahre 1990 und 1991 bringen sicherlich auch als Folge der politischen Veränderungen steigende Umsätze sowohl bei Fried. Schneider als auch bei Wohlenberg & Co. Es zeigt sich sehr bald, daß die Räume in der Hufnerstraße den zu erwartenden Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Die Mietpreise steigen durch den stätigen Zustrom neuer firmen nach Hamburg so an, daß keine angemessenen Räume für einen der Firmen zumubaren Preis gefunden werden können. Nach langem erfolglosen Suchen in Hamburg kann ein Grundstück direkt an der Autobahnabfahrt Quickborn erworben werden. Es beginnt der Bau eines eigenen Büro- und Lagergebäudes.
Durch den Umzug Ende 1991 verläßt Fried. Schneider nach 124 Jahren die Hansestadt Hamburg und "wandert aus" nach Schleswig Holstein. Zum Jahresbeginn 1992 erfolgt der Einzug in leider nur halbfertige Räume. Die Fertigstellung folgt in den ersten Monaten des Jahres.
Zum Jubiläumstag ist Fried. Schneider zusammen mit der Schwesternfirma Wohlenberg & Co. auf einer Fläche von 820qm in hellen und praktischen Räumen für die Zukunft gut gerüstet.


